22.03.2020

Anleitungen für das Training daheim



Auf Anfrage verschicken wir gerne Anleitungsvideos zum Thema Kinder- Goshin (Selbstverteidigung für Kids).

Insgesamt stehen 11 kurze Videos aus dem Prüfungsprogramm zur Verfügung.

weitere Informationen über Kraft- und Ausdauertraining, Technik und Formen, Philosophie, lesenswerte Texte und Übersetzungen werden folgen.

eMail an info@karate-dojo-speyer.de

https://www.wochenblatt-reporter.de/speyer/c-sport/kampfkunst-im-wohnzimmer-lernvideos-fuer-kinder-und-erwachsene-erhaeltlich_a183160






 

Lehrtexte zur Budo-Philosophie

Richard Kim – The Classical Man

Equality - Gleichheit

übersetzt von Christof Dahmen

Im Angesicht des Todes ist spielt es keine Rolle welcher Rasse oder welchem Glauben du angehörst. Alles was zählt ist es wie du deine Rolle im Leben gespielt hast. Amerikanische Philosophen, vom Laien bis hin zum hoch Graduierten, haben über die Gleichheit der Menschen nachgedacht und um ihre Hypothesen zu stärken, haben sie immer wieder auf die „Bill of Rights“, der Verfassung der Vereinigten Staaten, und Lincolns bekannten Rede von Gettysburg verwiesen.
Als ich ein junger Mann war kam ich mit dem Problem der Gleichheit in Kontakt. In den 30´er-Jahren wurde einigen meiner Freunde wegen ihrer Rassenzugehörigkeit die Bedienung in einem Restaurant in San Francisco verwehrt. Unmissverständlich wurde ihnen schmerzhaft die Rassendiskriminierung vor Augen geführt. Sie waren wütend. Diese Art der Behandlung war ihnen noch niemals in Honolulu, wo sie geboren waren, zuteil geworden. Einer sprach die Gedanken aller aus: “Falls dies der Elks´Club (Club der Weißen) gewesen wäre hätte ich es verstanden, aber in einem öffentlichen Restaurant?“
Eines Tages nach dem Training mit dem Speer, sprach ich das Thema Gleichheit bei meinem Sensei Yoshida Kotaro an. Speziell den Vorfall in San Francisco, einer Stadt, bei der man sich eine solche Einstellung eigentlich nicht vorstellen konnte.
„Nach der Geburt“, sagte mein Sensei, „gibt es zwei Zeitpunkte wo alle Menschen gleich sind. Der Tag an dem du ein Dojo betrittst, bist du genau wie alle anderen, du beginnst ganz unten, und am Tag deines Todes, da gibt es keinen Unterschied – da sind alle gleich.“
„Aber was ist mit dem Gesetz?“ fragte ich, „der Bill of Rights, der Verfassung?“
„Das Gesetz ist nur so gut wie das Gewissen der Menschen“, antwortete mein Lehrer. „Schau auf die Herzen, nicht auf das Gesetz. Es ist im Herzen und als Kampfkünstler solltest du bereifen, dass die Herzen der Menschen nicht mit dem Gesetz schritt halten.“
Und dann erzählte er mir die Geschichte von Hozoin Gakuzenbo Inye und einem jungen Mann. Hozoin Inye, einem der größten Speermeister, der jemals in Japan gelebt hat, konnte schließlich Yagyu Muneyoshi in einem Turnier schlagen. In allen vorangegangenen Turnieren war es jedes Mal Yagyu Muneyoshi, der Inye geschlagen hatte und aber nun stand die Überlegenheit von Inye außer Frage.
Unglücklicherweise wurde Inye so sehr von sich überzeugt und entwickelte sich zu einem unerträglichen Angeber. Eines Tages kam ein 17 jähriger junger Mann in den Hozoin Tempel und sagte: „Ich bin hergekommen um den Speerkampf zu erlernen. Ich habe gehört, dass Gakuzenbo Inye selbst den Unterricht gibt, wie er der beste ist. Ich möchte von ihm lernen.“
Der junge Mann wurde angenommen. Inye behandelte ihn als ob er kein menschliches Wesen sei und unternahm alles um ihn zu entmutigen. Der junge Mann sagte deswegen kein Wort, aber er bat um einen Kampf. Inye entsprach seiner Bitte. In drei Tagen erzielte der Junge einen Punkt in drei Kämpfen. Innerhalb von zehn Tagen zog er gleich mit Inye und innerhalb eines Monats wollte Inye das Dojo nicht mehr betreten, da er Angst vor dem Jungen bekommen hatte.
Eines Tages näherte sich der Junge Inye und sagte: „Ich halte nicht viel von dir. Du wirst überschätzt. Ich kann nicht glauben, dass du Yagyu Muneyoshi geschlagen hast. Ich möchte einen wirklichen Kampf mit dir, auf Leben und Tod. In fünf Tagen komme ich in deinen Garten. Sei bereit dem Tod ins Angesicht zu treten“ und er ging fort. Mit einem Mal war jede Großspurigkeit aus Inye gewichen. Und er kam auf den Boden der Tatsachen zurück, aber er war besorgt.
„Warum habe ich mich nicht aufrichtig um den Jungen gekümmert?“ fragte er sich. „Ich hätte ihn besser behandeln sollen.“
Beunruhigt ging Inye die Nacht vor dem Kampf mit seinem Speer in der Hand in seinen Garten, stellte sich an die Ecke des Teiches und starrte ins Wasser. Das Spiegelbild seines Gesichts starrte ihn aus dem Wasser an. Plötzlich zog eine Wolke vorbei und verdunkelte für einen Augenblick das Grundstück. Als die Wolke vorbei war sah Inye das Spiegelbild seines Speers mit einem Kreuz an der Spitze. Aufgeregt ging er hastig zum Schmied des Klosters und bestellte, was heute unter dem Namen Kama-Yari bekannt ist – den berühmten Hozoin-Speer.
Die Nacht des Kampfes kam und Inye wartete in seinem Garten auf den jungen Mann. Der aber ließ sich nicht blicken. An seiner Stelle erschien einer der Mönche mit einem Brief.
„Der Junge ließ dies hier für dich zurück“, sagte der Mönch. Inye öffnete den Brief: Der Junge schrieb:
“Behandle alle Menschen wie Menschen, mit Anstand und Respekt. Wir sind nicht gleich in unseren Fähigkeiten und Schaffenskraft, aber wir sind alle menschliche Wesen. Was zählt ist das was in unseren Herzen ist. Heute Nacht kannst du das sicher verstehen. Das ist meine Lektion für dich. Wenn du bemerkst, dass du dem Tod gegenüberstehst, wirst du herausfinden, dass alle Menschen gleich sind. Im Leben liegt die Gleichheit in den Herzen der Menschen.“


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